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Die junge Generation hat KI noch nicht verstanden

In den letzten Monaten wurde ich oft von jungen Menschen gefragt, ob ich ihnen KI beibringen kann. Erst hat mich das gewundert. 20-Jährige fragen mich? Die junge Generation ist doch mit der Technik aufgewachsen, heißt es, sie erbt die KI von selbst. Ich kam ins Nachdenken.


Die jungen Generation und KI

Ich arbeite jeden Tag mit KI, mit echten Aufträgen und echten Fristen. Ich kenne die schönen Seiten, und ich kenne den Ärger: halluzinierte Fakten, verlorene Zusammenhänge, Daten, die einfach weg sind. Ich stecke da tief drin.


Und genau deshalb passt das Märchen von den Digital Natives für mich nicht mehr. Wer über fünfzig ist, hat angeblich den Zug verpasst? Nur fragen ausgerechnet die Jungen mich, wie es geht?


Erst der Tool-Wahn, dann die Struktur


Ehrlich gesagt war ich am Anfang selbst kein Vorbild. Ich war im Tool-Wahn. Jede Woche ein neues Werkzeug, das angeblich alles besser macht. Ich habe mehr Zeit mit Ausprobieren verbracht als mit Arbeiten.


Irgendwann habe ich aufgehört, hinter jedem Tool herzulaufen. Ich habe angefangen, eine Struktur zu bauen. Ein zweites Gehirn für meine Arbeit. Obsidian, GitHub und Supabase angebunden, meine Skills und Utilities geordnet, alles so aufgesetzt, dass es zusammenspielt. Heute läuft die operative Arbeit über Claude Code und Codex. Die Chats nutze ich noch zum Brainstorming, für Strategie und um Ergebnisse zu prüfen.


Das klingt technisch, und das ist es auch. Aber es ist der Grund, warum ich immer mehr Aufträge hereinbekomme. Die NIS2-Plattform, an der ich gerade baue, wäre ohne diese Struktur nicht möglich gewesen. Nicht mit dem schönsten Tool der Welt.

Das Tool ist nicht der Unterschied. Der Unterschied ist die Struktur, die du drumherum baust.

Auf TikTok haut sich die junge Generation mit KI die Taschen voll


Und dann schaue ich auf TikTok. Da erzählen junge Leute, wie man mit irgendeinem Tool in ein paar Wochen ein Vermögen aufbaut. Wenig Arbeit, schnelles Geld, ein Klick und der Wohlstand kommt von allein. Sie hauen sich die Taschen voll, und Tausende glauben es ihnen.


Meine Meinung dazu ist klar.

Ja, mit KI ist ein Vermögen machbar. Aber nicht so. Und wer es vorher nicht geschafft hat, schafft es mit KI auch nicht.

KI ist ein Hebel. Ein Hebel macht dich stärker, aber er ersetzt nicht das, was du in die Hand nimmst. Wer nichts in der Hand hat, hebelt ins Leere.


Bedienen ist nicht beherrschen


Das ist der eigentliche Denkfehler beim Begriff „Digital Native". Mit dem Smartphone aufzuwachsen heißt, es bedienen zu können. Es heißt nicht, es zu beherrschen.


Ein Kind, das von klein auf im Auto mitfährt, wird dadurch kein Mechaniker. Es weiß, wo der Gurt einrastet und wie die Tür aufgeht. Was unter der Haube passiert, bleibt ihm fremd, solange es sich nie dafür interessiert. Genauso ist es mit der jungen Generation und der KI. Sie bedienen die Oberfläche im Schlaf. Was darunter läuft, haben die wenigsten je verstanden.


Eine australische Untersuchung von RMIT und Deloitte hat das Anfang 2026 nachgemessen. 84 Prozent der Befragten nutzen KI bei der Arbeit. Aber nur 7 Prozent kommen über das Anfängerniveau hinaus. Und die Jüngeren überschätzen sich dabei am meisten. In der Generation Z hält sich jeder Fünfte für kompetenter, als er ist, bei den Älteren ist es nur jeder Zwölfte. Sie halten sich für Profis und merken nicht, wo die Maschine sie an der Nase herumführt.


Skepsis ist der eigentliche Vorteil


Und da liegt die Stärke der Älteren, so seltsam das klingt. Sie sind vorsichtiger. Sie glauben nicht sofort alles, was auf dem Bildschirm steht. Genau das brauchst du bei dieser Technik. Die KI erzählt dir Unsinn mit derselben Selbstsicherheit wie die Wahrheit.


Ich erlebe das jeden Tag. Halluzinationen, verdrehte Zusammenhänge, selbstbewusst vorgetragener Quatsch. Ohne gesundes Misstrauen wäre ich längst auf die Nase gefallen. Wer alles ungeprüft übernimmt, macht die Fehler der Maschine zu seinen eigenen. Dieses Misstrauen kommt nicht vom Geburtsjahr. Es kommt von Erfahrung.


Seit ich mit KI arbeite, denke ich mehr denn je


Und dann ist da noch etwas, das mich selbst überrascht hat. Man könnte glauben, die KI nimmt einem das Denken ab. Bei mir ist es genau umgekehrt.


Ich war immer ein Denker. Aber so viel wie jetzt habe ich noch nie nachgedacht. Seit ich mit KI arbeite, laufen bei mir den ganzen Tag Denkprozesse, die es vorher nicht gab. Die KI ist für mich nicht das Ende des Denkens, sondern der Anfang.

Seit ich mit KI arbeite, denke ich mehr, nicht weniger.

Und genau da trennt es sich. Der eine nutzt KI, um nicht mehr denken zu müssen. Der andere nutzt sie, um tiefer zu denken als je zuvor. Das Werkzeug ist dasselbe. Wer davor sitzt, macht den Unterschied.


Und dann buhen sie den aus, der es erklären will


Wie tief die Ablehnung sitzt, sieht man an einer Szene aus dem Mai 2026. Eric Schmidt, der frühere Google-Chef, sprach vor Absolventen der Universität Arizona. Als er auf KI zu sprechen kam, wurde er ausgebuht. Nicht einmal, mehrfach.


Ich halte das nicht für Dummheit. Das war Angst. Angst vor einem Arbeitsmarkt, der härter wird, der dich in Zukunft ausspucken wird. Vor einer Zukunft, die schon geschrieben scheint. Die Angst verstehe ich. Nur baut Abwehr keine Zukunft. Wer die Technik auspfeift, statt sie zu lernen, überlässt anderen das Feld.


Mein Fazit


Deshalb glaube ich nicht an das Märchen von den Digital Natives. Kompetenz kommt nicht vom Alter. Sie kommt von Neugier, von Struktur und von der Bereitschaft, sich hinzusetzen und die Arbeit wirklich zu machen. Das Bedienen lernt jeder in einer Woche. Der Rest ist Fleiß.


Ich bin über sechzig und stecke tiefer in dieser Technik als die meisten Zwanzigjährigen, die ich kenne. Nicht weil ich schlauer wäre. Weil ich neugierig geblieben bin, mir eine Struktur gebaut habe und nichts ungeprüft glaube. Wenn ich das schaffe, gibt es für die Jungen keine Ausrede. Sie müssen sich nur hinsetzen und anfangen, richtig hinzuschauen.


Du hast Fragen, Gedanken oder willst mir widersprechen? Schreib mir direkt: hey@jensburghold.de – ich antworte persönlich.


Jens Burghold – Digitalisierungsberater, Seriengründer und Unternehmer mit über 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle.


Sind Digital Natives wirklich besser im Umgang mit KI?

Nein. Die junge Generation bedient KI-Werkzeuge schnell, bleibt aber oft an der Oberfläche. Kompetenz entsteht durch Neugier, Struktur und Skepsis, nicht durch das Geburtsjahr.

Warum überschätzt die junge Generation ihre KI-Fähigkeiten? 

Eine Studie von RMIT und Deloitte (2026) zeigt: In der Generation Z überschätzt jeder Fünfte seine KI-Kompetenz, bei den Älteren nur jeder Zwölfte. Schnell klicken ist nicht dasselbe wie verstehen.

Nutzen ältere Menschen KI wirklich besser? 

Ältere sind zögerlicher beim Einstieg, hinterfragen die Ergebnisse aber stärker. Weil KI Unsinn mit voller Überzeugung liefert, ist dieses Misstrauen ein echter Vorteil.


Kann man mit KI schnell reich werden, wie es auf TikTok versprochen wird?

So nicht. KI ist ein Hebel, kein Selbstläufer. Wer vorher nichts aufgebaut hat, baut auch mit KI nichts auf. Der Hebel verstärkt nur das, was schon da ist.


Was entscheidet über den Erfolg beim Arbeiten mit KI? 

Nicht das einzelne Tool, sondern die Struktur dahinter und die Bereitschaft, Ergebnisse konsequent zu prüfen.

Nimmt KI einem das Denken ab?

Nein, im Gegenteil. Richtig genutzt ersetzt KI das Denken nicht, sie stößt es an. Man muss die richtige Frage stellen und jede Antwort prüfen. Wer tief arbeitet, denkt mit KI oft mehr als vorher.




Jens Burghold

Danke fürs Vorbeischauen!

Ich habe eine Leidenschaft für digitale Ideen, Veränderung und neue Möglichkeiten. Ich schreibe in meinem Blog über persönliche Erfahrungen, Projekte und Niederlagen. Ich freue mich über konstruktiven Zweifel und zerstörte Denkschablonen.

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