Stromausfall Berlin. Das Spiegelbild des deutschen Versagens.
- Jens Burghold

- 8. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.
Ich musste mir das Interview mit dem Berliner Oberbürgermeister, Kai Wegner, zweimal anschauen.
Nicht, weil ich ihn nicht verstanden habe. Sondern, weil diese Aussage so perfekt ist. Nicht perfekt als Entschuldigung.
Perfekt als Symbol. Für unser Versagen. Für das, was passiert, wenn Menschen Karriere verwalten, statt Verantwortung zu tragen.

Verantwortung fühlt sich anders an
Wenn bei mir als Unternehmer etwas brennt, dann brennt es wirklich. Dann gibt es keinen Kopf frei. Dann gibt es nur Kopf an.
Dann telefoniere ich, rede, organisiere, fahre los, löse, nerve, drücke, ziehe, bis es wieder läuft.
Und ja, ich kenne das auch. Diese Müdigkeit. Diese innere Erschöpfung.
Aber ich kenne auch den Moment, in dem man genau weiß. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Rituale. Jetzt ist der Zeitpunkt für Präsenz.
Während ich das schreibe, kommt die nächste Meldung, diesmal aus meinem Bundesland.
Zalando zieht sich aus Erfurt zurück
2.700 Arbeitsplätze stehen im Raum. Die Reaktionen sind vorhersehbar. Empörung hier, Überraschung dort, ein paar Sätze für die Kamera.
Die Wirtschaftsministerin zeigt sich überrascht. Ramelow nennt es Raubtier-Kapitalismus. Unser Ministerpräsident schreibt heute über Vereine, Sportplätze und Turnhallen. Der Erfurter Oberbürgermeister wusste nichts. Alles wie immer.
Und ich sitze hier und denke nur. Bei Zalando war keiner im Thema. Keiner war wirklich drin.
Ich glaube nicht, dass dem Zalando Vorstand so etwas morgens beim Kaffee einfällt. So ein Rückzug fällt nicht vom Himmel. Der wird geplant. Wochenlang, eher monatelang.
Der letzte öffentlich wahrnehmbare Zalando Termin, an den ich mich in dieser Region erinnere, liegt Jahre zurück. Mike Mohring im Jahr 2016. Zu viele Jahre.
Stromausfall Berlin, wenn es kalt wird
In Berlin waren zehntausende Haushalte ohne Strom. Und es ging nicht um ein bisschen Komfort. Es ging um Winter. Um Wärme. Um Alltag. Um Sicherheit.

Der Tennisschläger ist nicht nur ein PR Problem
Natürlich kann man sagen, er war erreichbar. Natürlich kann man sagen, er hat vorher telefoniert. Man kann sich alles zurechtlegen.
Aber Politik ist nicht nur Organisation. Politik ist Signal.
Und dieses Signal sagt. Ich bin nicht im Problem. Ich bin neben dem Problem. Das ist der Moment, in dem Vertrauen kippt. Leise. Endgültig.
Macher und Schwätzer, ich nenne es anders
Ich brauche keine großen Theorien, um zu sehen, was hier schief läuft. Da sind Menschen, die machen.
Monteure, Feuerwehr, Katastrophenschutz. Leute, die keine Kameras brauchen, weil ihre Arbeit sowieso sichtbar wird, sobald sie fehlt.
Und da ist ein System, das erklärt. Zuständigkeiten. Prozesse. Gremien. Kommunikation.
Berlin ist dafür der perfekte Ort. Viel Überbau. Viel Verwaltung. Viel Sprache. Und wenn die Realität aufschlägt, dann retten uns die Wörter nicht. Dann retten uns die Hände. Die Hände derer, die anpacken.
Trump. Das unangenehme Gegenbild
Ich weiß, das triggert. Trump ist polarisierend. Laut. Unsauber. Oft auch unerquicklich.
Aber er verkörpert etwas, das vielen in Krisenzeiten plötzlich fehlt. Druck. Präsenz. Aktion. Ergebnis.
Trump würde niemals sagen: Ich brauche einen freien Kopf. Er würde sagen: Ich bin der Chef. Ich bin da. Ich löse das.
Ob man ihn mag, ist zweitrangig. Der Kontrast wirkt.
Berlin wirkt dagegen wie ein Meeting, das sich selbst moderiert, während draußen das Licht ausgeht.

Der eigentliche Skandal ist das Muster
Was mich wirklich wütend macht, ist nicht eine Stunde Tennis. Es ist das Muster dahinter.
Dieses Gefühl, dass Verantwortung in Deutschland immer häufiger wie ein Verwaltungsakt behandelt wird. Und Krisenmanagement wie ein Pressetermin.
Der Berliner Stromausfall war ein Brandanschlag auf die Leitungen. Und bis alles vollständig behoben war, vergingen mehrere Tage.
Diese Tage sind eine Ewigkeit, wenn du frierst.
Diese Tage sind eine Ewigkeit, wenn du ein Geschäft am Laufen halten musst.
Diese Tage sind eine Ewigkeit, wenn du merkst, wie dünn diese moderne Welt wirklich ist.
Berlin ist ein Spiegel. Und der ist hässlich
Ich habe lange genug gelebt, um zu wissen, wie schnell Normalität bricht. Und wie schnell sich dann zeigt, wer tragen kann.
Berlin lebt seit Jahren in einer Blase aus Worten. Und immer öfter platzt diese Blase an der Wirklichkeit.
Der Tennissatz ist deshalb keine Nebensache. Er ist ein Brennglas. Und wenn ein Brennglas zeigt, was darunter ist, dann sollte man nicht wegschauen. Sondern endlich verstehen, was viele längst fühlen.
Was wir erleben, ist ein Kampf um die Zukunft dieses Landes. Die Polit-Laberer haben die Deutungshoheit erobert und leben von der Substanz, die wir erwirtschaften.
Sie moralisieren über alles und jeden, sind aber selbst völlig unfähig und abhängig.
Es ist Zeit, die Notbremse zu ziehen. Wir müssen diesen Sumpf austrocknen.

















